Therapietool: Der Realitätscheck
Dieses Set zur realistischen Einordnung von Katastrophenszenarien habe ich auf Wunsch meiner lieben Kollegin Miriam entwickelt. Es unterstützt die Arbeit mit Patientinnen und Patienten, die zu ausgeprägten Sorgen, Katastrophisieren oder einer systematischen Überschätzung negativer Zukunftsereignisse neigen. In der psychotherapeutischen Praxis findet sich dieses Denkmuster unter anderem bei Angststörungen, insbesondere bei der Generalisierten Angststörung, bei Panikstörung, sozialer Angststörung sowie bei depressiven Störungen mit starker Grübelneigung. Auch bei Zwangsstörungen, Anpassungsstörungen und stressassoziierten Belastungsreaktionen kann die Tendenz zur gedanklichen Eskalation eine zentrale aufrechterhaltende Rolle spielen.
Das Arbeitsblatt führt durch einen strukturierten kognitiven Realitätscheck. Ausgehend von der präzisen Benennung der konkreten Befürchtung wird das angenommene Katastrophenszenario differenziert betrachtet und in seinen tatsächlichen Konsequenzen eingeordnet. Anschließend werden die notwendigen Bedingungen herausgearbeitet, die erfüllt sein müssten, damit das Ereignis eintritt, sowie deren realistische Wahrscheinlichkeit. Dabei wird gezielt zwischen Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit unterschieden und der Fokus auf externe Bezugspunkte wie Erfahrungen, fremde Einschätzungen oder objektive Informationen gelegt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Gleichzeitigkeit und möglichen Abbruchpunkten. Es wird geprüft, ob alle Bedingungen realistisch gleichzeitig eintreten müssten oder an welchen Stellen ein Verlauf plausibel unterbrochen oder abgeschwächt werden könnte. Ergänzend werden alternative, weniger katastrophale Verläufe systematisch berücksichtigt, um kognitive Flexibilität zu fördern und dichotomes Denken zu reduzieren.
Das Set umfasst zwei übersichtlich strukturierte Seiten und eignet sich für den Einsatz in der Einzeltherapie ebenso wie als therapeutische Hausaufgabe und lässt sich gut in kognitiv-verhaltenstherapeutische, schematherapeutische und integrative Behandlungskonzepte einbinden.
Quelle und vertiefende Literatur
Margraf, J., & Schneider, S. (Hrsg.). (2019). Kognitive Verhaltenstherapie bei Angststörungen (3., überarb. Aufl.). Springer.











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